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Steven Gätjen über 'Gangs' und Bully's 'Wickie und die starken Männer'

Dienstag, September 8th, 2009

Moinsen meine lieben Filmfreunde,

heute möchte ich mich einem Genre zuwenden mit dem ich über die Jahre hinweg immer ein Problem gehabt habe, dem deutschen Film. Ich kann Euch auch ganz genau sagen warum, es gibt natürlich einige Lichtblicke an Filmen, Schauspielern, Regisseuren und Produzenten, aber vieles was ich auf der Leinwand gesehen habe, ist entweder schlecht kopiert oder einfach nur schlecht gemacht. In Deutschland halten sich alle Schauspieler für Künstler, ist ja in einem gewissen Sinn auch richtig, aber warum bedeutet das gleich, jede Rolle hat eine „Message“ und jeder Film eine viel tiefer liegende Wertigkeit. Warum kann ein Film nicht auch einfach nur unterhalten? Spaß machen? Wir beherrschen es immer wieder perfekt unsere Geschichte zu sezieren, analysieren und mit ihr klar zu kommen. Versteht mich nicht falsch, das ist ganz wichtig und wird auch großartig gemacht. Aber wo ist die Leichtigkeit, der Witz, der Spaß. Warum kann eine Schauspielerin oder ein Schauspieler nicht einfach sagen: „Das war total geil und hat riesigen Bock gemacht.“ Jeder versucht einem erstmal zu erklären wie unglaublich er/sie sich mit der Rolle auseinandergesetzt hat, was für emotionale Höhen und Tiefen durchlaufen werden mussten. Und am Ende stellt man fest sie haben eine Leiche gespielt. Ich wollte dieses Thema anschneiden, weil ich mit Euch gerne über zwei Filme sprechen möchte, die aus Deutschland kommen und in die Kategorie Unterhaltung fallen.

gangs_ochsenknechtZum einen „Gangs“ mit den Ochsenknecht Jungs. Hier hat sich eine Produktionsfirma aufgemacht „The Outsiders“, „Rumble Fish“, „The Wanderers“ und „Denn sie wissen nicht was sie tun“, einzudeutschen. Warum nicht?! Gute Idee und das funktioniert auch zum größten teil. Das einzige Problem ist der Film kann sich nicht entscheiden, bin ich ein „Coming of Age“ Drama oder eine Liebesgeschichte und so gibt es eine Reihe an Handlungssträngen die nicht nachvollziehbar sind. Trotzdem spannend zu sehen wie sich Wilson und Jimi Ochsenknecht über die Jahre verändert und gemausert haben. Der Film wird genau das für die Zielgruppe sein, was wir früher an „The Outsiders“ gemocht haben, rebellisch und ein bisschen dreckig. Trotzdem hätte ich mir mehr Mut von den Produzenten und von Disney gewünscht. Wenn man so einen Film macht, dann muss man auch volles Risiko gehen und nicht halbherzig, einen mit gebrochenem Herzen saufenden Jimi Blue (passt ja in diesem Fall) halbherzig an einer Rocker Bar platzieren. Dann muss es richtig knallen. Der Weg ist richtig, die Umsetzung aber leider nicht ganz gelungen. Während des Interviews mit den Darstellern ist mir eine der peinlichsten Sachen aller Zeiten passiert: ich habe tierische Schwitzanfälle bekommen! Wahnsinn mir lief die Suppe nur so runter. Wechseljahre, Stoffwechselprobleme, Nervosität. Ich glaube ein bisschen von allem. Die Jungs und Mädels müssen wirklich gedacht haben: „Alter, was ist denn mit dem alten Mann los?!“ Aber nix schlimmes passiert, niemand weggeschwemmt worden und gestunken hat es auch nicht.

wickie_coverMachen wir direkt weiter mit dem neusten Film von Michael „Bully“ Herbig. Bully hat es geschafft sich einen Status zu erarbeiten, mit dem er wirklich alles machen kann. Und das ist gut so! Denn so einer wie Bully funktioniert nur, wenn er sich kreativ komplett entfalten kann, ohne dass ihm Steine in den Weg gelegt werden. Sein Erfolg spricht für seinen Anspruch. Man muss sich mal anschauen, was er unglaubliches geschafft hat. „Der Schuh des Manitu“ eine Persiflage auf die Western Filme mit einem schwulen Indianer. „Traumschiff Surprise“ Persiflage auf das Sci-Fi Genre mit unglaublichen Special Effects. „Lissi und der wilde Kaiser“ ein Animationsfilm. Und jetzt die Verfilmung einer der beliebtesten Kinderserien aller Zeiten „Wickie und die starken Männer“. Da kann man sagen was man will, dieser Mann hat unglaublich Eier in der Hose und den Midas Touch. Was er anfässt wird ein Erfolg. Als Filmemacher ein unglaublich akribischer und wie man vielleicht nicht vermuten würde ernster Produzent und Regisseur, aber als Typ immer noch der gleiche von früher. Sein Ziel mit „Wickie und die starken Männer“ möglichst so nah an der Zeichentrickserie zu bleiben wie möglich, nicht geschichtlich akkurat, sondern unsere Kindheitserinnerungen mit einem Realfilm zu neuem Leben erwecken. Das ist ihm absolut gelungen. Tolle Darsteller von Wickie über Tjurre, Snorre, Urobe bis hin zu faxe. Einige Profis, andere, neue Talente. Die Premiere wurde vom Publikum frenetisch bully_imagegefeiert. Auch weil Bully nicht nur Drehbuchautor, Regisseur, Co-Produzent und Schauspieler war, sondern weil er auch das Titellied „Father and Son“ gemeinsam mit Sasha intonierte. Nicht schlecht, bin mal gespannt, was er als nächstes macht. Auf der Premiere ebenfalls mit von der Partie mein absolutes Fernsehidol: Joachim „Blacky“ Fuchsberger. Dieser Mann ist eine Legende und hat eine so unglaubliche Ausstrahlung, mit so viel Wärme: Gigantisch. Solche Leute bräuchte das Fernsehen heute noch. Außerdem natürlich Michael Mittermaier und Rick Kavanian, für mich zwei großartige Comedians und wirklich unglaublich tolle Typen. Und jetzt stellt Euch mal vor ein deutscher Judd Apatow, den es bestimmt gibt, schreibt für die Jungs einen Film. Eine Komödie, keine Persiflage, keine Kopie eines amerikanischen oder englischen Films, sondern ein Originaldrehbuch. In den Hauptrollen Germanys Finest Comedians: Bully, Christian Tramitz, Oliver Kalkofe, Rick Kavanian, Michael Mittermeier…etc. Wäre das nicht geil. Da sind jetzt leider wieder mit mir die Pferde durchgegangen. Ich geh sie mal einfangen und wir sehen, sprechen, lesen, hören nächste Woche wieder voneinander.

Bis dahin, alles Gute

Euer Steven Gätjen

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