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Steven Gätjen über Tortuga, Männerherzen und Verblendung von Stieg Larsson

Freitag, Oktober 2nd, 2009

Meine lieben Kinofreunde,

heute möchte ich mich einem Thema widmen, das ich mich schon seit Kindesbeinen an beschäftigt: Der Filmmarathon! Früher waren es Serien wie „Western von gestern“ oder „Biene Maja“ die meine Geschwister, Freunde und mich vor den kleinen Bildschirm gebannt haben. Mein Vater war es aber erst der meine Leidenschaft für das Kino entfacht hat. Er war immer kinobegeistert und kennt heute noch wesentlich mehr Filme, als jede Person die ich getroffen habe. Das wirkte sich dann so aus, das wir zu hause regelrechte Filmparties gefeiert haben. „Auf dem Highway ist die Hölle los 1&2“ oder auch mal „Star Wars 4&5&6“. Ich erinnere mich noch ganz genau an einen Urlaub mit der ganzen Familie auf Föhr. Wir beide ältesten durften uns was wünschen. Ich wollte so viele Kinofilme hintereinander sehen, wie mein Bruder, mein Vater und ich nur konnten. Mein Bruder wünschte sich so viele Eiskugeln zu essen, wie unsere kleinen Bäuche vertrugen. Wir waren in einem kleinen Kino, als erstes gab es „James Bond – Moonraker“, mit einem meiner Lieblingsbösewichte „Beißer“. Anschließend schafften wir es noch in „Sie nannten in Mücke“ einen genialen Film, den glaube ich jeder aus meiner Generation kennt und liebt. Das war es aber auch schon mit Kino, danach waren wir alle fix und fertig. Übrigens haben wir anschließend jeder 12 und meTortuga_Plakat_fin_A1.inddin Bruder sogar 14 Kugeln Eis gegessen. Warum ich Euch das alles erzähle, ganz klar. Ich habe meinen eigenen Kinomarathon gerade in dieser Woche gebrochen. Zum einen aus beruflichen, zum anderen aus Spaß Gründen habe ich mir 3 Filme hintereinander im Kino angeschaut. Eigentlich sogar innerhalb von 24 Stunden 4.

Los ging es mit der Premierenmoderation von „Tortuga – die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte“, eine tolle Dokumentation, die leider wirklich an einigen Stellen etwas zu theatralisch auf die Tränendrüse drückt, aber durch unglaubliche Bilder beeindruckt. Und dann ging es los, um 15.30 Uhr startete ich mit Simon Verhoevens „Männerherzen“ in meinen persönlichen Rekord.mannerherzen_cover Eine wirklich gelungene Komödie über uns Männer und die unglaubliche Tiefe unseres Charakters und den Witz den wir ausstrahlen. Jetzt mal im Ernst. Es ist ein wirklich gelungener Film über Beziehungen aus der Sicht des Mannes. Mit einem großartigen Christian Ulmen und einem hervorragenden Justus von Dohnany. Premiere war in dieser Woche in Berlin. Nett, unkompliziert, lustig. Die Aftershowparty hatte es aber ganz schön in sich, Wahnsinn was sich da an männlichen und weiblichen Granaten im Backstage Bereich tummelte. Alle waren gut drauf und feierten bis in die Morgenstunden, wenn sie überhaupt schon damit fertig sind. Weiter geht’s. Amüsiert und beschwingt kam ich also aus dem Kino um mir gleich im Anschluss auf dem Hamburger Filmfest den neuen Fernsehfilm von Hermine Huntgeburth „Das Glück ist eine ernste Sache“ anzuschauen. Rein zufällig spielt mein Bruder Andy darin eine Nebenrolle und das wirklich richtig gut. Ein schräger Film, mit sehr liebevoll ausgearbeiteten Charakteren. Ich weiß aber gar nicht wie man so einen Streifen nennen könnte. Drama, Komödie, Dramödie, Komrama. Ebenfalls klasse besetzt und gespielt und sehr unterhaltsam. Und dann kam der Knaller der krönende Abschluss. Ich hatte noch keine viereckigen Augen, mein Hintern war noch intakt, ich hatte mich von all dem Popcorn noch nicht übergeben und ging in Richtung des nächsten Knaller auf dem Hamburger Filmfest.

Die Verfilmung von Stieg Larrssons erstem Buch „Verblendung“ aus seiner dreiteiligen Kinoreihe. Jetzt möchte ich gerne noch eine Sache klarstellen.Verblendung_cover Ich war also bereits seit 4 Stunden im Kino und nur einmal kurz an der frischen Luft und ich war kurz davor einen 2 ½ stündigen Thriller anzuschauen. Da gucke ich auf die Karte und was steht da: „Original mit deutschen Untertiteln!“ Das bedeutet auf Schwedisch mit deutschen Untertiteln. Wow! Ok! Normalerweise ein Grund für mich nicht ins Kino zu gehen. Nicht weil es auf schwedisch war, sondern weil Untertitel immer anstrengend sind, es sei denn man spricht die gesprochene Sprache fließend. Die Neugier war größer. Ich hatte so viel Gutes über diesen Film gehört, das ich einfach sehen musste. Eins kann ich Euch sagen, nach knappen 30 Sekunden habe ich das mit dem schwedisch und den Untertiteln überhaupt nicht mehr gemerkt. So gebannt habe ich auf die Leinwand gestarrt. Wahnsinn was da geschah. Eine wirklich sensationelle Verfilmung des Buches. Mit beeindrucken Hauptdarstellern. Wie schaffen es die Skandinavier immer wieder mit diesem gewissen Etwas die Geschichten zu erzählen. Ich kann es noch nicht einmal genau beschreiben. Wer das Buch gelesen hat, weiß wie brutal es da zu ging, wie widerwärtig die Verbrechen sind die dort begangen werden. Es hat aber nichts grausames, plumpes oder plakatives. Der Film geht einfach unter die Haut. Denkt jetzt bitte nicht ich habe nach 6 ½ Stunden Kino komplett meine Objektivität verloren, ach was rede ich, jede Beurteilung eines Film ist subjektiv, aber ich habe wirklich lange nicht mehr so einen Spaß gehabt. Das war großartig. Alle 3 Filme haben sich auf ihre Art gelohnt und mir einen tollen Tag beschert. Wann hat man schon mal das Glück hintereinander 3 unterschiedliche, aber sehr gelungene Filme zu sehen. Jetzt wo der Herbst so langsam Einzug hält, solltet Ihr Euch mal überlegen nicht auch einen kleinen Kinomarathon hinzulegen. Ich würde gerne mal wissen, welche Mischung Euch am besten liegt?! Müssen es monothematische Filme sein, oder genreübergreifend? Keine Ahnung. Beim nächsten mal sollten wir aber trotzdem die frage klären, wie man vom im Kino sitzen einen Muskelkater in den Waden bekommen kann, das habe ich immer noch nicht verstanden.

Bis nächste Woche, alles Gute
Euer Steven Gätjen

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