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Steven Gätjen über Excalibur im Autokino

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

Meine lieben Kinofreunde,

es ist mal wieder an der Zeit ein bisschen in der Vergangenheit zu stöbern. Nach dem ich Euch schon letzte Woche gebeichtet habe, dass mein Vater dafür gesorgt hat das wir Kinder Cineasten werden, möchte ich dieses Bild jetzt gerne noch mal komplettieren. Warum gehen wir eigentlich noch ins Kino? Man kann doch heutzutage fast zu Hause echtes Kinogefühl schaffen, mit der Technik die im Home Entertainmentbereich existiert. Das mag wohl sein, aber ganz im Ernst, wie Geil ist es mit 50 bis 1500 anderen Besuchern im Kino zu sitzen und zu lachen, wenn alle oder keiner lacht. Das Schmatzen und Geraschel der Popcorn und Ein-Liter-Cola Getränkedosen zu hören. Wenn es auf einmal muxmäuschenstill im Kino wird und man sogar eine Stecknadel fallen hören könnte, weil es gerade so spannend ist. Diese Atmosphäre kann man zu Hause nicht schaffen. Deshalb ist Kino großartig. Das 25te mal Dirty Dancing oder Star Wars könnt ich Euch natürlich zu Hause rein pfeifen.Da habe ich ja wieder einen riesigen Bogen gemacht, um zu meinem eigentlichen Thema zu kommen, das Autokino. Genauso wie mittlerweile viele Tierarten, steht diese Spezies des Kinos mittlerweile auf der Liste der bedrohten Lichtspielhäuser. Ich weiß noch nicht einmal, ob es im deutschsprachigen Raum noch ein Autokino gibt?! Weiß das jemand von Euch?

excalibur_coverIch war mit meiner Familie, meinen Freunden und einem meiner ersten Dates in einem Autokino. Das war großartig, zwar hatte es nie das was ich oben gerade als non plus Ultra des Kino beschrieben habe, es sei denn man war mit einem Bus vor Ort und hat Fremde eingeladen, aber es war spitze. In den 80er Jahren waren die Vorschauen noch nicht von der FSK zensiert und daher kamen wir in den Genuss von manchmal unglaublichen Filmtrailern. Japanische Splatterhorrorfilme, in denen Menschen zersägt, Softpornos in den Frauen flach gelegt und Blockbuster in denen Städte platt gemacht wurden. Das kann man sich Heutzutage gar nicht mehr vorstellen, aber für uns pubertierende Jungs war das großartig. Mein Vater hat es geliebt, seine 3 Söhne und alle Freunde die noch reinpassten mit zu nehmen. Das war immer ein riesiges Erlebnis, vor ab haben wir uns eingedeckt mit allem und jedem was die Süssigkeitenabteilung der großen Supermarktketten hergegeben hat. Mittwoch war immer Familientag, da bezahlte man nur pro Auto, an allen anderen Tagen ging es immer pro Person. Wir haben uns dann kurz vor der Einfahrt ins Kino immer in unserem alten Mercedes Kombi im Kofferraum unter einer Decke versteckt, damit wir weniger löhnen mussten. Dann am Plätzchen angekommen, holte man sich von der Servicestation einen alten Heizlüfter, den man auf den Boden im Auto stellte und Bryan_Singer_fotohängte sich eine Lautsprecherbox ins Fenster. Mieser Ton, aber es ging ja auch ein bisschen um das Erlebnis. Der erste Film den ich im Autokino gesehen habe war: Excalibur! Gedreht im Jahr 1981 von John Boorman mit Helen Mirren, Nigel Terry, Patrick Stewart und Gabriel Byrne und vielen anderen. Was für ein Spektakel auf der Leinwand! Überall Blut, Ritter in goldenen und silbernen Rüstungen und draußen, hinter, vor und seitwärts neben dem Auto strömender Regen. Besser kann so ein Abend nicht sein. 1982 sogar für einen Oscar nominiert. Ein Muss für jeden Kinofan. Und jetzt kommt es noch besser: Angeblich planen Warner Bros. und Regisseur Bryan Singer ein Remake dieses Knallers. Hoffentlich eröffnen bis dahin wieder ein paar Autokinos. Nächste Woche treffe ich Vince Vaughn und erzähle Euch dann wie er so drauf ist.

Bis dahin alles Gute und Liebe Grüße
Euer Steven Gätjen

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