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Steven Gätjen über ‘Twilight – New Moon’ und ‘Zweiohrküken’

Donnerstag, Dezember 3rd, 2009

Meine lieben Kinofreunde,

new_moon_coverschon wieder sind viele Monde ins Land gegangen. Ein gutes Stichwort, führt mich das doch gleich zu meinem ersten Filmthema, einem Phänomen, das viele glaube ich unterschätzt haben, aber das gerade in einer Hysteriewelle um die Welt zieht, das einen manchmal erschaudern lässt. Es geht natürlich um Stephenie Meyers „Twilight Saga“ und die neuen Superstars am Schauspielfirmament: Kristen Stewart, Taylor Lautner und Robert Pattinson. Der erste Film war schon ein Erfolg von dem so manches großes Studio geträumt hat, aber der Hype um den zweiten Teil „Twilight – New Moon – Biss zur Mittagsstunde“ ließ selbst die größten Skeptiker eine positive Boxofficeprognose zum Besten geben. Tut mir bitte mal einen Gefallen, wenn Ihr etwas Zeit habt, dann surft mal durchs Internet und schaut mal wie unglaublich viele Websites es zum Thema „Twilight“ und vor allen Merchandise gibt. Seiten auf den jede Sekunde des Films analysiert wird; Fehler kenntlich gemacht werden; Klubs denen man beitreten kann mit Namen wie „Twilight Moms“, Team Jakob, Team Twilight usw.; Anleitungen wie man ein richtiger Vampir wird (die haben sie doch nicht mehr alle); man kann Regenschirme, T-Shirts, Kuckuksuhren und noch vieles mehr käuflich erwerben. Was für eine Geldruckmaschine und da kommen wir auch schon wieder zu einem Problem, dass viele so genannte Franchise haben! Wie schnell muss man den nächsten Teil eines Films drehen. Schnell: damit der Hype nicht abebbt und die Schauspieler noch glaubhaft Teenager darstellen können, etwas langsamer damit der Film nicht aussieht wie ein Schnellschuß? Bei „Twilight – New Moon – Biss zur Mittagsstunde“, ab jetzt nur noch „TNWBZM“, wurde Chris Weitz ganz schnell in den Regiestuhl geworfen, damit es zackig weitergehen kann. Kein schlechter, wenn man sich seine Filme „Golden Kompass“ und „About a Boy“ anschaut. Trotzdem hat mir beim zweiten Teil etwas gefehlt, dass ich beim ersten gerne mochte. Mehr Leichtigkeit. Das war mir alles viel zu schmalzig. Ich bin ein Fan von Schmalz, aber das war zu viel und ab und an wirklich nervig. Die Special Effects sind gut und Taylor Lautner fit, aber wie gesagt manchmal ist weniger mehr.

Was aber viel spannender ist, ist folgendes. Vor etwa 2 Wochen lud der Verleih Concorde gemeinsam mit der Hypovereinsbank zum großen „Twilight“ Event ein. Karten gab es kostenlos, zu bestellen auf einer Website. Um 6.00 Uhr ein paar Wochen vor der Veranstaltung konnte man Karten reservieren, bestellen, zuschicken lassen, was auch immer. Um 6.01 Uhr war der Server komplett zusammen gebrochen. Um 12 Uhr mittags hatten die Seite mehr als 1,2 Millionen Klicks. Ist das der Hammer?! Das Ganze sollte in der Münchner Olympiahalle stattfinden. Mehr als 15000 Fans passen da rein und man befürchtete das Schlimmste. Einige Twilight-Fans sind nicht irgendwelche Fans, sie sind fanatisch. Sie machen vor Nichts und Niemandem halt. Aus diesem new_moon_kirstenGrund wurden höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen um die Gäste: Kristen Stewart, Taylor Lautner, Robert Pattinson und Chris Weitz, zu schützen. Schon morgens stürmten die Twilightdisten (Achtung! Neues Wort) den Platz rund um die Olympiahalle. Um sie bei Laune zu halten, gab es aller Hand Dinge zum bestaunen: ein 6-Tage Radrennen, das parallel noch lief, ein paar Bands und Säger die auftraten, bis die Stars dann am späten Nachmittag auf die Bühne kommen sollten, um sich der aufgebrachten Menge zu stellen. Ich hatte das Vergnügen, das ganze zu moderieren. Das war echt der Hammer. Die Halle war stickig und heiß, bei jeder kleinen Bewegung neben der Bühne, schrieen sich tausende von kleinen und großen Mädchen (sicherlich auch ein paar Jungs, aber die hatten keine Chance erhört zu werden) die Seele aus dem Leib. Ich kann jeden Rock- oder Popstar verstehen, der bei einem solchen Spektakel den Verstand verliert. Ich komme auf die Bühne und auf einmal reißt mich diese Welle der Begeisterung mit, das ganze pushed total, ich hätte auch einfach nur „Erbsensuppe“ sagen können, die waren alle so weit drüber, auch dann hätten sie geschrieen. Nach einem Trailer und einem knapp 10-minütigen Making-Of war es dann soweit, einzeln sollte ich sie auf die Bühne holen. Wenn man überhaupt bei einem solchen Lärm, Lautstärkeunterschiede beschreiben könnte, dann war das Gekreische und der Applaus bei Taylor Lautner am lautesten. Damit ihr ein Verständnis dafür habt, wie das war, haltet bitte mal beim voll aufgedrehten I-Pod, einen Fön, einen Mixer und eine Bohrmaschine an Eure Ohren und steckt den kompletten Kopf in eine Waschmaschine. Erst dann wisst ihr was da los war. Alle 4 Gäste waren total aus dem Häuschen und sprachen anschließend davon, das sie so etwas in ihrem Leben noch nicht gesehen hätten. Es war aber auch beeindruckend und ein großartiger Coup für Concorde und Hypovereinsbank. Ich versuchte ein kurzes Interview mit Ihnen zu führen und anschließend bekamen die 4 noch einen Bravo-Otto von Europas größtem Jugendmagazin. Wahnsinn, früher habe ich die immer im Urlaub mit meinen Brüdern gelesen und jetzt war ich dabei.

Alle 4 Gäste waren wirklich entgegen ihrem Ruf, sehr entspannt und locker drauf. Robert Pattinson new_moon_robertwar glaube ich, ziemlich groggy, er hing wie ein Schluck Wasser in der Kurve, gab zwar wirklich gute Antworten, aber man merkte das er kaputt war. So wie er bei der PK am Tisch saß, dachte ich gehörte er zum Zirkus Roncalli, so verbog er seinen doch schmächtigen Oberkörper. Bei Taylor Lautner hat man das Gefühl, dass er noch nicht ganz genau weiß, was er mit seinen ganzen antrainierten Muskeln anfangen soll. Er wirkte ein bisschen schüchtern, aber wer wäre das nicht mit 17 Jahren und einem solchen Rock N’ Roll Leben. Aus Kristen werde ich nicht so ganz schlau, ich halte sie für smart, aber sie driftet bei Ihren Antworten manchmal so unglaublich ab, das man Angst hat sie kommt nicht wieder. Alles in allem ein tolles Erlebnis.

keinohrküken_coverDas war auch das zweite Ereignis von dem ich heute berichten will. Die Weltpremiere von „Zweiohrküken“. Diesmal war ich nur aus Lust und Laune vor Ort, musste nicht arbeiten und konnte so die ganze Atmosphäre als Zuschauer aufsaugen. Ich will gleich vorne weg eine Lanze für Til Schweiger brechen. Ich finde es herausragend was er visuell in seinen Filmen umsetzt, der Look, die Kamerafahrten, der Schnitt und die Musik, wirklich der absolute Hammer, das macht ihm keiner nach. Man muss bedenken, das er, während er noch dreht, schon den Rohschnitt macht, das heißt, man sieht das fertige Produkt nur kurze Zeit nach Drehschluß. Das gibt es in dieser Branche fast gar nicht. Kommen wir zum Inhalt, das schöne am Film ist, genauso wie mit der Kunst an sich, die Bewertung ist subjektiv. Ich fand ihn sehr gut, einige Gags waren mir zu viel und zu platt, in anderen habe ich mich wieder gefunden, aber vor allen Dingen die Problematik an sich zwischen Mann und Frau, die der Film behandelt, ist für mich komplett nachvollziehbar. Es kann mir keiner erzählen, der sich den Film anschaut, das er oder sie sich nicht Minimum 3 mal wieder findet. Gleiches Szenario, gleiche Situation, gleicher Dialog. Das macht den Film so gut, man erkennt sich wieder. Bei der Premiere sagte Til auch, das ein dritter Teil angedacht ist und sicherlich auch gedreht werden wird. Man sieht auf jeden fall, dass alle Beteiligten unglaublich viel Spaß beim drehen hatten, dass sieht man im Film und sah man auf der Bühne. Zur Zeit brandet wieder die Diskussion auf, warum zeigt Til Schweiger seinen Film nicht vorab der Presse? Warum muss er? Natürlich ist es gut, wenn man schon vorab etwas schreiben kann, um den Film zu promoten, auf der anderen Seite ist es doch seine Entscheidung. Klar, ich interpretiere da auch rein, wenn ich den Film nicht vorab sehen darf ist er schlecht. Aber, wenn man ständig auf die Fresse bekommt, wie bei Til, ist das Interesse daran, es wieder zu bekommen, relativ gering. Das kann jeder nachvollziehen. Also, wenn man es selbst steuern kann, will man das natürlich verhindern, oder? Ich bin mir ganz sicher, das Til bald wieder anfangen wird, seine Filme uns vorab zu zeigen, damit wir unseren Job machen können. Wenn ich was über den Film schreiben oder sagen will, kaufe ich mir eine Karte oder nehme eine Einladung, wie die von letzter Woche an und dann kann ich meinen Senf abgeben.

Das mache ich auch nächste Woche zu „Avatar“ und Disneys „Küss den Frosch“, also bleibt mir bis dahin gewogen.

Liebe Grüße
Euer Steven Gätjen

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