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Start der “Award Season”: Steven Gätjen über die Verleihung der 67. Golden Globes

Dienstag, Januar 19th, 2010

Meine lieben Kinofreunde,

ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich mich so lange nicht mehr zu Wort gemeldet habe, aber ich habe mir über die Feiertage eine kleine Auszeit gegönnt und bin jetzt wieder voller Elan bei der Sache. In diesem Sinne „Frohes neues Jahr“ und was für ein Kinojahr es anscheinend werden wird. Wir erleben in den nächsten Wochen, dass „Titanic“ als erfolgreichster Film aller Zeiten abgelöst wird. Damit würde James Cameron  die beiden ersten Plätze in der Liste belegen. Außerdem ist es wahrscheinlich, das die Erfolgsgeschichte deutsch-österreichischer Produktionen nach Cannes und den „Golden Globes“, bei den Oscars weitergeht. Damit wären wir auch schon beim heutigen Thema.

Jeff BridgesDie so genannte „Award Season“ hat begonnen. Start war gestern bzw. heute Nacht mit den 67ten Golden Globes. Ich  mache mir mit dieser Aussage sicherlich nicht nur Freunde, aber eins muss man den Amerikanern lassen, sich selbst und die Branche inszenieren, das können sie einfach. Die Golden Globes werden auch gerne das Wohnzimmer der Stars genannt, denn nirgendwo sonst sind sie so ausgelassen und entspannt und nirgendwo sonst ist die „Superstar mit Millionen Einkünften Dichte“ pro Quadratzentimeter größer, als im Beverly Hilton Hotel. Doch so einfach ist das Ganze natürlich nicht, nicht jeder Star kann mit dem anderen. Eitelkeiten stehen an der Tagesordnung und deshalb gibt es eine strenge Sitzordnung, über die, die Mitglieder der Foreign Press Association streng herrschen, denn sie kennen die Hackordnung, besonders in Hollywood, ganz genau. Die Presse heute morgen war sich, ob der Veranstaltung, mal wieder einig: „Eine dröge Verleihung, ohne große Überraschungen“. Völliger Quatsch, was wird denn immer erwartet: Dass Halle Berrys Trägerkleid aufplatzt, George Clooney Jeff Bridges eine reinhaut, weil der die Trophäe vor seiner Nase weggeschnappt hat, oder Meryl Streep sagt: Nee, vielen Dank Foreign Press Association, ich habe schon 6 Golden Globes, einen siebten brauche ich nicht, deshalb gebe ich meinen Preis an eine meiner Konkurrentinnen.

Ich fand die Veranstaltung sehr amüsant. Ricky Gervais, ein Mann der bekanntlich kein Blatt vor den Mund nimmt, hat ein paar großartige Moderationen abgeliefert. Wer kommt schon mit einem Bier und offenem Smoking Hemd auf die Bühne und sagt: „Hey, cheers, sorry about that, but I love to drink, just like our next guest: Mel Gibson“. Rock N Roll, mit einer Menge an entgeisterten Gesichtern im Publikum. Mel Gibson nahm es mit Humor, was blieb ihm auch anderes übrig. Von Schönheitsoperationen, bis hin zur Eigenwerbung für seine Shows, ließ Ricky kein Thema aus. Er hätte ruhig noch mehr moderieren dürfen.

Aber ein paar echte Nervfaktoren gab es trotzdem: File:RickyGervaisBAFTA07.jpgNo.1: Bei Pro7 prangte oben rechts am Bildschirmrand das „Live“ Icon. Dass es alles andere als live war, sah man an den Zwischenschnitten bei den Laudatoren. Kein Fehler von Pro7 in diesem Fall, sondern die immer noch über allen amerikanischen Veranstaltungen schwebende „Nipplegate“ Affäre, die die amerikanischen Fernsehsender übervorsichtig gemacht hat. Damals entblößte Justin Timberlake Janet Jacksons Brust in der Super Bowl Halftime Show und fast die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung viel bei so unglaublich viel Sex im Fernsehen in Ohnmacht. Seitdem sendet man angebliche Liveshows zeitversetzt, um direkt schneiden zu können, wenn ein Star vor lauter Emotionen einen moralischen Fehltritt macht. Das ist auf neudeutsch gesagt: Scheiße, besonders wenn es auch noch so schlecht gemacht ist.
No. 2: Das Gewinner wie Sandra Bullock oder Jeff Bridges besoffen vor Glück über den Gewinn der Trophäe waren und Cast und Crew von „Hangover“, nach dem Triumph für ihren Film, einen richtigen „Hangover“ hatten, auch schön, aber was war bitte mit dem Regisseur und den Kameramännern los?! Waren die bekifft und volltrunken?! Einige Kameraeinstellungen und vor allen Dingen Bildfahrten waren eine Katastrophe und nervig, wenn von George Clooney gesprochen wird und Leonardo DiCaprio im Bild auftaucht, ist das peinlich.

Ansonsten muss man die kleinen Dinge zu schätzen wissen. Z.B. als Bradley Cooper und Co. „Hangover“ in der Kategorie „Bester Film Comedy“ vorstellen und Mike Tyson, der noch breiter seit seinem letzten Kampf geworden ist und mit seinem Gesichts Tatoo aussieht, wie ein Schwerverbrecher, mit Fistelstimme lispelnd ins Mikro säuselt: This is the „Hangover“. Da konnte ich nicht mehr vor Lachen. Oder Sandra Bullock auf Deutsch Ihre deutschen Verwandten ins Bett schickt. James Cameron auf Navii, nach seinem ersten von 2 Golden Globes seinem Team dankt und uns glauben machen will, er hätte nicht damit gerechnet, einen Preis als Bester Regisseur zu gewinnen, da seine Ex-Frau Kathryn Bigelow es viel mehr verdient hätte. Sir Paul McCartney die Kategorie „Best Animated Picture“ mit den Worten anmoderiert: „Animated movies are not only something for kids, but also for grown ups, who take drugs“. Das gucke ich mir gerne an. Vor allen Dingen finde ich es super, dass man die Freude und den Stolz der Preisträger spüren kann. Alle sprechen davon, dass sie den besten Job der Welt haben und das freut einen. Zwischendurch wird immer wieder gesappelt, Leute werden begrüßt und umarmt und alle haben einfach richtig Spaß.

Und dann kamen natürlichFile:ChristophWaltzCannesMay09.jpg noch die großen Momente der deutsch-österreichischen Filmgeschichte. Keiner hatte daran gezweifelt, dass Christoph Waltz einen Golden Globe für seine Darstellung des Nazischergen Hans Landa in „Inglourious Basterds“ erhalten würde. Dennoch war es ein toller Moment, als sein Name unter Jubelrufen genannt wurde und er sich mit einer exzellenten Rede vor allen Dingen bei Quentin Tarantino bedankte. Er wird auch den Oscar bekommen, denn keine schauspielerische Leistung ist in diesem Kinojahr so eindeutig überragend gewesen wie die seine. Michael Hanekes Leistung war nicht so bunt und laut, aber genau das hat ihm auch die Auszeichnung eingebracht. Bedrückend, bildgewaltig und erschütternd ist sein Film „Das weiße Band“ und deshalb auch zu recht ein Anwärter auf den Academy Award am 7ten März.

Was gibt es sonst noch zu sagen: Schön, dass Drew Barrymore gewonnen hat, aber Ihre Dankesrede war etwas wirr und nervig. Robert Downey Jr. ist jetzt definitiv wieder im Hollywood Olymp, nachdem er, wie er selbst sagte, hunderte von Chancen nicht ergriffen hatte. Die Lebensabschnittspartner wurden von den Gewinnerinnen und Gewinnern mit Liebesbekundungen bedacht, was sie alle zu Tränen rührte. Modisch gab es bis auf das knappe Kleid von Julia Roberts, das „selbstgebatikt“ aussah, keine Fehltritte. Alle waren braun gebrannt, erholt und gut drauf. Mir hat die Veranstaltung sehr gut gefallen, vor allen Dingen, weil ich nicht erwartet habe, das unglaubliche Skandale aufgedeckt werden, oder Entscheidungen fallen, mit denen keiner gerechnet hat. So eine Veranstaltung ist eine Wundertüte, wenn man gleich von vornherein sagt, was man haben will, ist man immer enttäuscht, man muss sich überraschen lassen, dann macht es mehr Spaß.

In diesem Sinne, passt auf Euch auf.

Bis nächste Woche,
Euer Steven Gätjen

 

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Steven Gätjen über Filme in 3D und James Cameron's Avatar

Mittwoch, August 19th, 2009

Moinsen,

heute geht es um ein Thema das die Kinobetreiber und vor allen Dingen die Filmproduktionsfirmen und Verleiher retten soll und einem dazugehörigen Film der bald über unsere Leinwände flimmert. Aber „first things first“. Ich bin ein Avatar_cover_für_blog NERD, denn ich gehe auch bei strahlendem Sonnenschein ins Kino. Oder bin ich etwa einfach mittlerweile zu alt für die Hitze da draußen. Ab 25 Grad Celsius aufwärts zieht mein Leben in Zeitlupe an mir vorüber. Früher konnte es gar nicht heiß genug sein, jetzt verschwinde ich lieber in ein klimatisiertes Kino und lasse mich dabei auch noch unterhalten. Alleine bin ich mit dieser Volkskrankheit nicht, denn die Zahl der Kinobesucher ist in den letzten Monaten, trotz des manchmal brüllenden Sommers und auch Dank der Blockbuster „Harry Potter 6“ und „Transformers 2“, gestiegen. Dennoch ist die Suche nach dem heiligen Gral der Kinozukunft heißer denn je. Videopiraterie setzt den Kinos zu, die Tickets werden teurer und die Angst größer, bald niemanden von seinem eigenen Sofa vor dem Plasmabildschirm mit privater Dolby Surround Anlage, in die großen Säle zu locken. Da kommt eine Erfindung die besonders Ende der 80er Anfang der 90er Jahre als Heilsbringer gepriesen wurde gerade recht: 3D Filme. Och Mensch Gätjen, das ist doch ein alter Hut, ja aber nicht wie wir es in Zukunft erleben werden. „Ice Age 3 3D“ war großartig, „Monsters vs. Aliens 3D“ ebenfalls super, „Coraline 3D“ nicht nur wegen der tollen Geschichte von Henry Selick ein fantastischer Film machten den Anfang, aber jetzt geht’s richtig los, 1 Woche vor dem Weihnachtsmann ist er wieder da: James Cameron.

Für Zelluloidfans fast noch wichtiger als der Mann mit dem großen Sack voller Geschenke.
Am 17.12.2009 schauen nicht nur Kinogänger auf die Schlange vor den Kinos, sondern auch deren Betreiber, die Filmverleiher und die Filmproduktionen. Denn sollte das passieren was alle momentan nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln, dann ist das Kino gerettet. Denn die 3D Technik von James Camerons „Avatar“ wird neue Maßstäbe setzen, die auf der Heimanlage verpuffen und nur auf der großen Leinwand funktionieren.
Die Website des Verleihers und des Films ist in den letzten Tagen gecrashed, weil, man halte sich fest, einen 20-minütigen Ausschnitt in ausgewählten Lichtspielhäusern zeigen will und jeder ein Ticket haben wollte. Wir reden hier von 20 Minuten eines Minimum 2 Stunden Films. Ist das der Hammer. Der selbst ernannte „King of the world“ hat schon mit „Titanic“ neue Maßstäbe gesetzt. Die letzten zehn Jahre hat er jetzt an der Technik für „Avatar“ gefeilt. Auf dem Set gilt er als Despot und Diktator und seine cholerischen Ausbrüche sind legendär. Niemand der mit ihm je zusammen gearbeitet hat, wird aber behaupten, das er nicht ein unglaubliches Talent und Gespür beim erzählen von Geschichten und der Realisierung hat. In den letzten Monaten konnte ich mit einigen Schauspielerinnen sprechen die in diesem neuen Meisterwerk zu sehen sein werden. Sigourney Weaver, die dem „Bärtigen“ eine ganze Menge zu verdanken hat, sprach von dem Erlebnis, als wenn sie vorher eine Pille eingeschmissen hätte. „Sie sei die ganze Zeit blau angemalt gewesen und hätte auch nur vor einer so genannten Green Screen gestanden.“ Auf die Frage, ob sie glaube das der Film erfolgreich werden könnte, antwortete sie: „Warum nicht!“ Äh ja Danke, Sigourney und nimm nächstes mal lieber die Blaue, als die Rote.

Zoe Saldana, frisch von der Star Trek Brücke, konnte ihr Glück überhaupt nicht fassen. Sie hätte mitgemacht, auch wens sie nur eine Blumenvase gespielt hätte. Äh, auch Dir vielen Dank und Du nimm lieber die Rote anstatt der Blauen. Die einzige Person mit Power und einem vernünftigem Kommentar war, wer hätte das gedacht, Michelle Rodriguez. Während im Nebenraum Paul Walker, im manchmal leider typischen amerikanischen „Ich höre nicht zu, aber antworte einfach“ Stil, auf Fragen zu „Fast and the Furious 4“ antwortete, begann die toughe Michelle erst zaghaft und dann wasserfallartig über „Avatar“ zu sprechen. James Cameron sei hart, aber fair, vor allen Dingen sei er ein unglaublich akribischer Arbeiter, der die Schauspieler, trotz all dem High Tech Kram um sie herum führt und leitet. Aber ein Satz zu seinem neuesten Werk von Michelle, ist mir wie ins Gedächtnis gebrannt. Sie sagte: „Wenn man „Avatar“ sieht, wird das so sein wie für die Menschen Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, als es plötzlich den Farbfilm gab.“ Äh Moment, habe ich das richtig verstanden, sag das noch mal, wie meinst Du das? „So wie ich es sage, das was man sehen wird, hat es in dieser Form noch nicht gegeben, „Avatar“ wird neue Maßstäbe setzen und das Kino nachhaltig verändern.“ Wow, was für eine Aussage. Seid ihr jetzt genauso wuschig auf den Film wie ich, das hoffe ich doch. Sollte einer oder eine von Euch Karten für den 20minütigen Trailer ergattert haben, dann schreibt mir bitte, ob es wirklich so anmutet wie Frau Rodriguez gesagt hat, oder ob man wie Zoe und Sigourney, na ihr wisst schon. Was, damit ich keine Multimillionen Dollar Klage abbekomme, natürlich überhaupt nicht stimmt. Die beiden waren einfach nur verwirrt, glaube ich. Also geht schon mal ins 3D Trainingscamp und schaut alles an was gerade im Kino in 3D läuft, es lohnt sic.

Bis nächste Woche
Euer
Steven Gätjen

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