Regen, Regen, Regen Oscar Blog 3

Das Kodak Theatre
Moinsen, ich weiß es ist jetzt nicht spannend, sich jedes mal über das Wetter zu beklagen, aber schon komisch das es hier schüttet und bei Euch in Deutschland der Winter nochmal richtig zurückgekommen ist.
Gestern habe ich mir “The Wrestler” angeschaut und ich muß sagen nicht schlecht. Drei Dinge haben mir daran besonders gefallen, Mickey Rourke, die Kameraführung und das unglaublich grokörnige Bild, das alles, aber auch wirklich alles, häßlich, frustrierend und eklig aussehen lässt.
Mickey Rourke spielt wirklich unglaublich und man hat in vielen Szenen das Gefühl, das die Geschichte so nah an sein eigenes Leben herangeht, das es ihn selbst schmerzt. Die Nominierung ist absolut berechtigt. Marisa Tomei hingegen ist gut, aber gehört für mich nicht in die Kategorie “Beste Nebendarstellerin”.
Mickeys Gesicht in Nahaufnahme ist zeitweise wirklich erschreckend, schlimm was der ehemalige Hollywood Beau mit Drogen, Alkohol und peinlichen Boxkämpfen aus sich gemacht hat. Ohne Sean Penn wäre er jetzt nicht wieder oben. Er hat ihn moralisch und finanziell unterstützt und vor allen Dingen, als keiner mehr Rourke wollte, ihm immer wieder kleinere Rollen zugeschanzt. Aus diesem Grund sagte Mickey würde es ihn auch nicht stören, wenn er, was er definitiv nicht glaubt, nicht gewinnen würde und Sean oben auf der Bühne steht.
Ich will heute mal ein bisschen über vergangene Oscarverleihungen sprechen und die lange Liste an möglichen Gewinnern und wie sie von der Presse oder gegnerischen Kampagnen kurz vor dem Ziel umgeschmissen wurden.
1997: Amistad. Ein Film von Steven Spielberg, der in mehreren Kategorien nominiert ist und von vielen als ein Heavyweight bei der Preisverleihung galt. Eine Drehbuchautorin zerrte den Regisseur und die Produzenten kurz vor der Verleihung vor Gericht und behauptete, sie hätte das Drehbuch an die Produktionsfirma gegeben und diese hätten es dann ohne ihr Wissen verfilmt. Beide Parteien einigen sich nach einigen Wochen öffentlichen Gezanke außergerichtlich. Amistad gewinnt keinen einzigen Preis.
1998: Shakespeare in Love. Ein guter Film, aber nichts aufregendes, mit einer guten, aber nicht überragenden Gwyneth Paltrow. Miramax Films, von den Weinstein Brüdern, investieren Millionen um Millionen für die Marketing Kampagne und beballern alles mit Plakaten und Anzeigen. Am Ende gewinnt “Shakespeare in Love” 7 Oscars, u.a. Bester Film, Beste Hauptdarstellerin, Bester Nebendarstellerin, gegen Steven Spielbergs “Saving Private Ryan”.
2001: A Beautiful Mind. Kritiker torpedieren den Howard/Grazer Film dafür, das das Leben von John Nash, gespielt von Russel Crowe, romantisiert und nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben würde. Er sei antimsemitisch und homosexuell gewesen. Crowe hilft nicht unbedingt, indem er einen britischen TV Journalisten angreift, nachdem er ihm das Wort, währen einer Fernsehsendung abschneidet. Crowe verliert gegen Denzel Washingtons “Training Day“.
Das waren nur ein paar Beispiele aus der jüngsten Oscargeschichte. Aktuell geht es darum, das 2 Oscarfavoriten, durch verschiedene Pressevertreter berechtigt oder unberechtigt angegriffen werden. Die Vorwürfe gegen “Slumdog Millionaire” habe ich gestern schon geschildert, es geht um Kinderausbeutung. Ein Vorwurf der bereits von den Produzenten entkräftet wurde. Sie sagen wie soll man einem Kind, das in den Slums von Mumbai aufwächst eine Tagesgage von 200 Dollar geben, wenn das für die mehr Geld ist, als viele Erwachsene in einem Jahr verdienen. Sie werden jetzt mit einem Teil des Geldes, das der Film eingespielt hat, Kindergärten, Schulen und Sportplätze in den Slums bauen.
Härter trifft es da gerade “Der Vorleser“. 3 bekannte amerikanische Filmkritiker bombardieren ihn förmlich. Ihnen sei der Film zu verharmlosend, die Figur von Kate Winslet, trotz ihrer Verbrechen, zu sympathisch. Alles in allem behaupten sie, das der Film die grausame Nazizeit nicht richtig darstellt. Ein schwerer Vorwurf und ein ganz schönes Pfund. Von den Machern hat es dazu bisher keine Stellungnahme gegeben.
Ob und wie sich eine solche Kampagne auf die Verteilung der Preise auswirkt wissen wir am Sonntag.
Morgen schreibe ich mal ein paar Zeilen zu den VES Awards, die am Samstag statt finden und bis dahin, habe ich hoffentlich schon den ein oder anderen Superstar auf der Strasse getroffen.
Bis dahin viele Grüße aus Los Angeles
Steven
3 Responses to “Regen, Regen, Regen Oscar Blog 3”
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Hey Steven, stehst du am Sonntag wieder mit Scott Orlin am roten Teppich? Bin schon gespannt auf die Show, mein Favorit ist auch ganz klar Slumdog Millionaire. Beste Grüße, Samir
Hallo Samir, ja am Sonntag steht Scott wieder mit mir auf dem roten Teppich. Dafür bin ich sehr dankbar, denn er macht das jedes Jahr fantastisch. Mein Favorit ist ebenfalls Slumdog. Lg Steven