Oscars 2010 – Steven Gätjen berichtet “live and direct” aus Los Angeles, Teil 4


Meine lieben Kinofreunde,

IMG_4032so langsam aber sicher geht es rund hier in Hollywood. Die Stars laufen so langsam ein in die Stadt der Engel und es gibt viele spannende neue Geschichten. Wie ich heute von einem amerikanischen Fernsehproduzenten erfahren habe, ist das Wochenende vor den Oscars, ein so genanntes „Tabu Wochenende“ für alle männlichen und weiblichen Superstars. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz der Manager, ihre Schützlinge nicht an die Öffentlichkeit treten zu lassen, da die Narben der Schönheits – OPs, die rote Haut vom Peeling und die Stirnfalten vom Botox, noch nicht ganz verschwunden sind. Jedes Event das also an diesem Wochenende stattfindet, muss also um die paar Promis kämpfen, die sich nicht vorher haben ummodellieren lassen. Ein weiterer Trend in diesem Jahr ist, das die Schauspielerinnen, mittlerweile Geld dafür verlangen, das sie Schmuck tragen. Chopard, H. Stern und wie sie alle heißen, geben nicht nur millionenschwere Diamentcolliers und Ringe an die Damen, sondern auch noch einen richtig fetten Check.

IMG_4030Heute war schon einmal großes Schaulaufen auf dem roten Teppich der 82ten Oscarverleihung, für die Filme aus der Kategorie “Bester nicht englischsprachiger Film“. Michael Haneke, Regisseur und Mastermind hinter “Das weiße Band” hat meiner Kollegin Annmarie Warnkross Rede und Antwort gestanden. Anschließend war für uns natürlich wichtig herauszufinden, wo unsere Position bei dem Journalistenmeer am Teppich sein würde. Der Teppich hat sich in diesem Jahr ein bisschen verschoben. Der amerikanische Fernsehsender, der die Rechte hat und gemeinsam mit der Academy verkauft, hat natürlich das Sagen und meist bis zu 6 Positionen auf und neben dem Teppich. Sie bekommen natürlich alle vor die Kamera, die sie wollen und das wird von Anfang an durchgetaktet und nichts dem Zufall überlassen. Wenn sich jetzt wieder ein paar Zuschauer fragen, warum ABC alle hat und wir vielleicht nicht, dann lautet die Antwort ganz einfach: Weil sie nichts dafür machen müssen, die Stars müssen bei Ihnen stoppen, das ist meist sogar vertraglich so festgelegt. Trotzdem bin ich mit unserer Position am Teppich happy, wie man sehen kann.

IMG_4036Neben uns sind wieder die Kollegen von Fox und mit denen haben wir uns die letzten Jahre immer gut verstanden. Beim rumschauen habe ich noch einen sehr geschätzten Kollegen, Pierre Geissensetter vom ZDF getroffen, der ebenfalls gemeinsam mit seinem Team rund um die Academy Awards dreht. Ganz wichtig ist bei der Position am roten Teppich, natürlich das Team. Wieder dabei Kameramann Peter und  Tonmann Martin (zum ersten Mal dabei). Mit denen ich heute am Hollywood Zeichen eine Sendung aufgezeichnet habe.

IMG_4046Am Abend gab es einen Empfang des Medienboard Berlin-Brandenburg, die bei den 82ten Oscars insgesamt 13 Oscar Nominierungen  für 4 Filme, die sie unterstützt haben, erhielten. Dazu gehören: Inglourious Basterds, Das weiße Band, Ein russischer Sommer und Ajami. Ein gut gelaunter Quentin Tarantino kam vorbei, der mir versicherte, das er am Sonntag bei uns am roten Teppich vorbeischaut. Und natürlich Christoph Waltz, für den ich jetzt hier gerne eine Lanze brechen möchte. Wahnsinn, was der für ein Tempo in den letzten Monaten hingelegt hat. Bevor „Inglourious Basterds“ und Quentin Tarantino kamen, sagte er in einem Interview, war er mit dem Schauspielbusiness unzufrieden und frustriert. Wen man gesehen hat, was dieser Mann zu leisten im Stande ist, in der Rolle des Hans Landa, dann kann man diese Verzweifelung verstehen. Mir ist es immer wieder ein Rätsel, dass es bis dato anscheinend niemand geschafft hat zu erkennen, was in diesem Mann steckt. Natürlich hat er in der Vergangenheit schon gezeigt, was er kann, aber erst Quentin Tarantino hat es aus ihm richtig herauskitzeln können. Das, was nach SAG Award, Golden Globe, Bambi und BAFTA auf ihn eingeprasselt ist, kann glaube ich keiner von uns nachvollziehen. Dennoch war er auch auf dieser Veranstaltung äußerst freundlich, zuvorkommend und nicht müde, Interviews zu geben. Und dazu muss man sagen, er war noch keine Sekunde auf der Veranstaltung, als schon ein riesiger Schwarm an Fernsehteams auf ihn niederschoss. Hut ab!

IMG_4037Und nochmals, ich bin mir bei keinem Oscar der vergangenen Jahre so sicher gewesen, wie bei dem von Christoph Waltz. Nicht wegen des ganzen Hypes, sondern wegen seiner unglaublichen schauspielerischen Leistung. Jede andere Entscheidung wäre lächerlich und für mich nicht nachvollziehbar. Einziger Gegner ist Christopher Plummer. Sein Oscar wäre aber eine dieser klassischen Auszeichnungen der Academy, nach dem Motto, wir haben es bisher versäumt, jetzt wird der großartige Charaktermime 80 Jahre alt und wir müssen ihn schnell noch mal ehren. Schade für Christopher Plummer.

Morgen geht’s weiter.

Bis dahin,

Liebe Grüße aus Hollywood.

Euer Steven Gätjen

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