Oscars 2010 – Steven Gätjen berichtet “live and direct” aus Los Angeles, Teil 6


Meine lieben Kinofreunde,

es ist vollbracht. Die 82te Oscarverleihung ist zu Ende und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich auch! Es war ein ganz schöner Ritt in diesem Jahr, aber wir haben unser Bestes gegeben, um eine tolle Show hinzulegen.

IMG_4076Am besten ich fange ganz von vorne an. Die Position ist, wie man im englischen so schön sagt “key”. Wenn man auf dem roten Teppich gut steht, kann man auch alle Stars bekommen, die man haben möchte. In diesem Jahr standen wir an einem Platz, der würde ich mal sagen, suboptimal gewesen ist. ABC, der nationale Broadcaster, hat sich natürlich die besten Plätze geschnappt und wie ich schon vor einigen Tagen erzählt habe, waren es insgesamt 6 an der Zahl. Das hat dazu geführt, dass die Stars Stunden bei ihnen verbracht haben und dadurch natürlich nicht zu den restlichen Teams kommen konnten. Dank der Hilfe von Scott Orlin haben wir aber viele vor unsere Linse bekommen. Technische Probleme haben dann noch dafür gesorgt, das bei uns das Adrenalin noch schneller und länger durch die Adern pumpte. Das ist Fernsehen und deshalb liebe ich die “live” Situation so unglaublich, denn man weiß nie, was passiert. Jetzt zu den Stars: Zoe Saldana, Quentin Tarantino, Amanda Seyfried, Zac Efron, Diane Kruger, Jeremy Renner, Sandra Bullock, Hellen Mirren, Christopher Plummer, Christoph Waltz, James Cameron, Mo’Nique, Mariah Carey, Sam Worthington und noch einige mehr, haben bei uns angehalten. Bei Sandra Bullock wusste wir, das sie Gummibärchen mag, also haben wir Gummibärchen besorgt, die sie uns dankend aus den Händen gerissen hat. Eine Sache habe ich aber noch zusätzlich gelernt: nicht die Parties nach den Oscars sind das Highlight, sondern die am Abend davor. Beide, James Cameron und Quentin Tarantino, haben es mit ihrem Cast richtig krachen lassen und die jeweilige Bar bzw. das Restaurant gerockt. Bei Quentin hat man das dann bei der Oscarverleihung mehr gesehen, als beim Überregisseur. Die Krawatte des “Inglourious Basterds“-Machers hing schief, war zu kurz und sein Haar zersaust, aber warum nicht.

Ansonsten kam die Verleihung für mich sehr bieder und langweilig herüber. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, Platz für Emotionen gibt es fast nicht mehr. Die Bühne war zwar superstylish, aber kalt und die Tanznummer zur Kategorie “Bester Song” war extrem altbacken. So etwas gehört nicht mehr zu einer modernen Oscarverleihung. Die Moderatoren waren gut, aber unterfordert, nur ab und zu ist das Improvisationstalent von Steve Martin und Alec Baldwin aufgeblitzt, gerne mehr davon. Spannend war das Rennen zwischen “Avatar” und “Tödliches Kommando“. Wer hätte gedacht, dass es so klar ausfallen würde. Der erfolgreichste Film aller Zeiten, gegen den von der Kritik hoch gelobten, aber an der Boxoffice gefloppten Streifen der Ex-Frau von James Cameron.

IMG_4078Kathryn Bigelow, ist ohne Zweifel eine fantastische Regisseurin, aber dass der Film gleich 6 Statuen mit nach Hause nimmt und das auch noch in den 3 Wichtigsten (Beste Regie, Bestes Drehbuch und Bester Film), hätte ich nicht gedacht. Aber so ist es nun mal und spannend war es definitiv. Jetzt rocken die Gewinner und sicher auch Verlierer die fielen Parties hier in Hollywood. Natürlich auch die genau gegenüber von meinem Hotel, die Vanity Fair Party. Morgen wird dann noch ein bisschen darüber geplaudert, wer hätte gewinnen können und müssen und wer das Rennen dann am Ende doch gemacht hat. Was mich auf jeden Fall noch zu Christoph Waltz bringt. Was für ein Schauspieler, aber am Teppich konnte er, egal wie gut er ist, seine Emotionen nicht verbergen. Die Last der große Favorit zu sein, lag schwer auf seinen Schultern. Ein bisschen zittern und Aufregung konnte man sehen. Umso erleichterter war er schließlich, als er den Oscar in den Händen hielt, verdient hat er es. Enttäuschung bei den anderen Nominierten von “Das weiße Band“. Dennoch ein Riesen-Erfolg für den deutschsprachigen Film.

 

Mein Fazit: Rock N Roll am Teppich und zurückhaltende Stimmung bei der Verleihung, ich hoffe das im nächsten Jahr auch ein bisschen mehr Pfeffer in der Show steckt. Mein Weg führt jetzt noch in ein nettes Diner mit dem Rest der Crew auf dem Sunset und dann geht es ab ins Bettchen.

Bis bald,

Liebe Grüße

Aus Hollywood

Euer Steven Gätjen

7 Responses to “Oscars 2010 – Steven Gätjen berichtet “live and direct” aus Los Angeles, Teil 6”

  1. boris sagt:

    Vielen Dank für die tolle Berichterstattung und Hintergrundinfos. Christoph Waltz hat den Oscar wirklich verdient – ein super Typ.
    Schade um das WEISSE BAND. Ein großartiger Film, aber man kann ja nicht überall abräumen.

  2. Director sagt:

    deine Interviews am roten Teppich haben mir auch dieses Jahr wieder gut gefallen.
    Kleinigkeiten wie Gummibärchen für Sandra Bullock machen es doch aus und heben sich angenehm von der ABC-Modenschau ab.

  3. [Iro] sagt:

    Auch ich muss mal danke sagen, denn aus Zeitgründen habe ich die komplette Verleihung versäumt. Als ich mich dann auf die Suche nach einem Bericht machte, der nicht von der offiziellen Homepage steht, stolperte ich über den/das Blog (wie auch immer man es schreiben will) und bin doch sofort davon angetan. Hoffentlich bin ich nächstes Jahr pünktlich ^^.

  4. nick sagt:

    Moin Steven, jo ich muss sagen, dass hast Du echt klasse gemacht. Witzig finde ich, dass Waltz der ja eigentlich österreicher ist (glaube ich zumindest), immer als deutscher dargestellt wird….

    PS: das spiel am WE war zwar echt ein Grottenkick aber zumindest gewonnen….

  5. Niclas sagt:

    Auch von mir vielen Dank! War super, hier deine Eindrücke zu lesen.

    Gruß

  6. [...] Reporter, der für ProSieben die Stars vor das Mikro bekommen möchte – berichtet in seinem Blog von seinen Erfahrungen auf dem roten Teppich am Tag der Oscarverleihung und den Tagen zuvor … [...]

  7. wo kann ich sagt:

    “Die Bühne war zwar superstylish, aber kalt und die Tanznummer zur Kategorie

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