Archive for August, 2009

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Steven Gätjen im Gespräch mit den 'Funny People' Adam Sandler und Judd Apatow

Donnerstag, August 27th, 2009

Meine lieben Kinofreunde,

worüber spricht man, wenn man auf einem Fest, Essen, Geburtstag oder einer Firmenfeier eingeladen ist. Genau! Ich habe auch keine Ahnung. Meine neue Lieblingssocialfrage lautet deshalb immer, um das Eis zu brechen: „Wenn jetzt eine gute Fee vor Ihnen landen würde und Sie dürften sich aussuchen, ob sie lieber ein berühmter Rockstar, Schauspielstar oder Sportstar sein wollen?! Was würden Sie wählen?“

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Ich hätte mich ganz klar für Rockstar entschieden, am besten bei Bon Jovi in der band. Das ist eine andere Geschichte. Was das jetzt alles mit Kino zu tun hat, kann ich Euch ganz genau sagen. Denn das hat heute etwas mit dem Film zu tun. Denn meiner Ansicht nach müsste noch eine vierte Option zur Debatte gestellt werden und zwar: „Mit einem seiner besten Freunde gemeinsam erfolgreich sein“. Wie würdet ihr entscheiden? Warum? Ganz einfach: Judd Apatow und Adam Sandler sind das beste Beispiel. Sie waren zu Gast in Berlin um ihren neuen Film „Funny People“ zu deutsch „Wie das Leben so spielt“ vorzustellen. Sie gaben nur gemeinsam Interviews. Warum? Weil sie während des Studiums zusammen gewohnt haben. Das ist mittlerweile fast 20 Jahre her. Es ist unglaublich schwierig 2 Menschen zu gleich zu interviewen. Man hat nie richtig die Möglichkeit nur einem der beiden eine Frage zu stellen, weil sich dann, der andere übergangen fühlt. Das bedeutet man wird allgemein und das ist auch wieder nicht gut, weil man dann nicht das bekommt, was man eigentlich braucht. Schwierig, schwierig. Bei Adam und Judd ist das ein bisschen anders. Ich habe mir vorgestellt ich sitze mit meinem besten Kumpel da und muss Fragen beantworten. Das wäre ein richtiger Spaß. Da sitzen also nun diese beiden, Anfang Vierzigjährigen, Herren, der eine mit Vollbart, Sneakers und Polohemd, der andere mit einem viel zu großen Hemd und diesem typischen spitzbübischen Lächeln und warten auf meine erste Frage.

Wie steigt man ein? Will man auch witzig sein oder sachlich, charmant oder schüchtern. Egal, einfach Feuer frei. „Wie ist das so mit seinem besten Freund zusammen zu arbeiten?“ Und jetzt geht es los, beide gucken sich an, wie man das nur unter guten Freunden tut, tausende von Gedanken schießen den beiden jetzt durch den Kopf und schon wieder denke ich daran wie Blicke von meinem besten Freund mich gleich in Lachlaune versetzen. Hier ist es nicht anders. Sie gackern, sie pisacken sich, sagen Insider und haben sichtlich Spaß. Warum auch nicht, sind die beiden doch immer jung geblieben und werden es auch immer bleiben. Kurz zum Film. „Wie das Leben so spielt“ ist nicht autobiographisch, aber zum großen Teil angelehnt an das Leben der beiden. Als aufstrebende Stand-Up Comedians, wie das so ist zusammen zu leben. Und weil so viele Geschichten erzählt werden können werden diese in dem Film auf die Köpfe vieler verschiedener großartiger amerikanischer Schauspieler (ich benutze bewusst diesen Ausdruck, weil die Comedians hier auch wirklich spielen können) verteilt. Seth Rogen, Jonah Hill und Jason Schwartzmann sind neben vielen anderen dabei.

Zurück zum Interview. Wir diskutieren darüber, ob es wichtig ist heutzutage Fäkalhumor in Filme einzubauen. Viele Stand-Up-Shows in den USA handeln vom Intimbereich und seinen Geräuschen, Ausdünstungen und allerlei anderen Dingen. Kann man ja machen, aber muss das sein. Judds Antwort: „Ja warum nicht, warum muss man denn andere Leute im Film erschießen, da zeige ich doch lieber einen Pimmel und die Leute fangen an zu lachen“. Daraufhin sage ich: „Der ultimative Film wäre adam_sandler_picdann also, wenn jemand von einem Pimmel erschossen werden würde?!“ Stille. Immer noch Stille. Beide gucken mich an. Nichts passiert. Ich warte darauf das gleich zwei riesige Security Guards reinkommen mich am Hemdkragen packen und mich teeren und federn. Und dann auf einmal fangen sie schallend an zu lachen und sagen: „Junge, Du hast es geschnallt. Genauso entsteht Stand-Up Comedy. Man spricht mit Freunden über ein Thema und eine Pointe jagt die andere, bis es einer geschafft hat die anderen zu toppen.“ Wow, heißt das jetzt ich bin deren Freund. Natürlich nicht Gätjen, wach mal auf und dreh nicht durch. Aber das ist schon toll, wenn 2 der lustigsten Leute aus Film & Fernsehen über einen lachen. Nette beste freunde. Ach ja eine schöne Geschichte die im Gespräch mit Leslie Mann, der Ehefrau von Judd ans Tageslicht kam, ist das sie Adam Sandler schon länger als Ihren Mann kennt und das kam so. Vor Jahren stand sie gemeinsam mit ihren Mädels an einer Bar in Hollywood. Nicht unweit von ihr stand Adam mit seinen Kumpels, von denen viele noch mit ihm zusammen arbeiten. Plötzlich kam einer der Herren mit einem Zettel zu Leslie, auf dem in Ketchup geschrieben stand: Nice Back! Der Freund fragte, ob Leslie nicht Lust hätte seinen Kumpel Adam kennen zu lernen und mit rüber zu kommen. Wenn er mich kennen lernen will, soll er rüberkommen. Ein „Wer kommt zu wem“ Stand Off an der Bar, dem sich keiner fügen wollte. Ein paar Wochen später trafen sich Judd und Leslie, mochten sich und gingen gemeinsam zu einer Geburtstagsparty. Wer war noch da? Natürlich Adam. Leslie schrie quer durch den Raum: „Hey Ketchup Man!“ Und damit war das Thema vergessen und das Eis gebrochen. Sie arbeiten immer noch zusammen und schätzen sich sehr. Was lernen wir daraus? Keine Ahnung, vielleicht nicht ein Mädchen mit Ketchup Botschaften anbaggern, oder immer seinem Bauchgefühl folgen?!  Nein, Freunde sind super! Und „Funny People“ ebenfalls.

Bis nächste Woche
Euer

Steven Gätjen

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Steven Gätjen über Filme in 3D und James Cameron's Avatar

Mittwoch, August 19th, 2009

Moinsen,

heute geht es um ein Thema das die Kinobetreiber und vor allen Dingen die Filmproduktionsfirmen und Verleiher retten soll und einem dazugehörigen Film der bald über unsere Leinwände flimmert. Aber „first things first“. Ich bin ein Avatar_cover_für_blog NERD, denn ich gehe auch bei strahlendem Sonnenschein ins Kino. Oder bin ich etwa einfach mittlerweile zu alt für die Hitze da draußen. Ab 25 Grad Celsius aufwärts zieht mein Leben in Zeitlupe an mir vorüber. Früher konnte es gar nicht heiß genug sein, jetzt verschwinde ich lieber in ein klimatisiertes Kino und lasse mich dabei auch noch unterhalten. Alleine bin ich mit dieser Volkskrankheit nicht, denn die Zahl der Kinobesucher ist in den letzten Monaten, trotz des manchmal brüllenden Sommers und auch Dank der Blockbuster „Harry Potter 6“ und „Transformers 2“, gestiegen. Dennoch ist die Suche nach dem heiligen Gral der Kinozukunft heißer denn je. Videopiraterie setzt den Kinos zu, die Tickets werden teurer und die Angst größer, bald niemanden von seinem eigenen Sofa vor dem Plasmabildschirm mit privater Dolby Surround Anlage, in die großen Säle zu locken. Da kommt eine Erfindung die besonders Ende der 80er Anfang der 90er Jahre als Heilsbringer gepriesen wurde gerade recht: 3D Filme. Och Mensch Gätjen, das ist doch ein alter Hut, ja aber nicht wie wir es in Zukunft erleben werden. „Ice Age 3 3D“ war großartig, „Monsters vs. Aliens 3D“ ebenfalls super, „Coraline 3D“ nicht nur wegen der tollen Geschichte von Henry Selick ein fantastischer Film machten den Anfang, aber jetzt geht’s richtig los, 1 Woche vor dem Weihnachtsmann ist er wieder da: James Cameron.

Für Zelluloidfans fast noch wichtiger als der Mann mit dem großen Sack voller Geschenke.
Am 17.12.2009 schauen nicht nur Kinogänger auf die Schlange vor den Kinos, sondern auch deren Betreiber, die Filmverleiher und die Filmproduktionen. Denn sollte das passieren was alle momentan nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln, dann ist das Kino gerettet. Denn die 3D Technik von James Camerons „Avatar“ wird neue Maßstäbe setzen, die auf der Heimanlage verpuffen und nur auf der großen Leinwand funktionieren.
Die Website des Verleihers und des Films ist in den letzten Tagen gecrashed, weil, man halte sich fest, einen 20-minütigen Ausschnitt in ausgewählten Lichtspielhäusern zeigen will und jeder ein Ticket haben wollte. Wir reden hier von 20 Minuten eines Minimum 2 Stunden Films. Ist das der Hammer. Der selbst ernannte „King of the world“ hat schon mit „Titanic“ neue Maßstäbe gesetzt. Die letzten zehn Jahre hat er jetzt an der Technik für „Avatar“ gefeilt. Auf dem Set gilt er als Despot und Diktator und seine cholerischen Ausbrüche sind legendär. Niemand der mit ihm je zusammen gearbeitet hat, wird aber behaupten, das er nicht ein unglaubliches Talent und Gespür beim erzählen von Geschichten und der Realisierung hat. In den letzten Monaten konnte ich mit einigen Schauspielerinnen sprechen die in diesem neuen Meisterwerk zu sehen sein werden. Sigourney Weaver, die dem „Bärtigen“ eine ganze Menge zu verdanken hat, sprach von dem Erlebnis, als wenn sie vorher eine Pille eingeschmissen hätte. „Sie sei die ganze Zeit blau angemalt gewesen und hätte auch nur vor einer so genannten Green Screen gestanden.“ Auf die Frage, ob sie glaube das der Film erfolgreich werden könnte, antwortete sie: „Warum nicht!“ Äh ja Danke, Sigourney und nimm nächstes mal lieber die Blaue, als die Rote.

Zoe Saldana, frisch von der Star Trek Brücke, konnte ihr Glück überhaupt nicht fassen. Sie hätte mitgemacht, auch wens sie nur eine Blumenvase gespielt hätte. Äh, auch Dir vielen Dank und Du nimm lieber die Rote anstatt der Blauen. Die einzige Person mit Power und einem vernünftigem Kommentar war, wer hätte das gedacht, Michelle Rodriguez. Während im Nebenraum Paul Walker, im manchmal leider typischen amerikanischen „Ich höre nicht zu, aber antworte einfach“ Stil, auf Fragen zu „Fast and the Furious 4“ antwortete, begann die toughe Michelle erst zaghaft und dann wasserfallartig über „Avatar“ zu sprechen. James Cameron sei hart, aber fair, vor allen Dingen sei er ein unglaublich akribischer Arbeiter, der die Schauspieler, trotz all dem High Tech Kram um sie herum führt und leitet. Aber ein Satz zu seinem neuesten Werk von Michelle, ist mir wie ins Gedächtnis gebrannt. Sie sagte: „Wenn man „Avatar“ sieht, wird das so sein wie für die Menschen Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, als es plötzlich den Farbfilm gab.“ Äh Moment, habe ich das richtig verstanden, sag das noch mal, wie meinst Du das? „So wie ich es sage, das was man sehen wird, hat es in dieser Form noch nicht gegeben, „Avatar“ wird neue Maßstäbe setzen und das Kino nachhaltig verändern.“ Wow, was für eine Aussage. Seid ihr jetzt genauso wuschig auf den Film wie ich, das hoffe ich doch. Sollte einer oder eine von Euch Karten für den 20minütigen Trailer ergattert haben, dann schreibt mir bitte, ob es wirklich so anmutet wie Frau Rodriguez gesagt hat, oder ob man wie Zoe und Sigourney, na ihr wisst schon. Was, damit ich keine Multimillionen Dollar Klage abbekomme, natürlich überhaupt nicht stimmt. Die beiden waren einfach nur verwirrt, glaube ich. Also geht schon mal ins 3D Trainingscamp und schaut alles an was gerade im Kino in 3D läuft, es lohnt sic.

Bis nächste Woche
Euer
Steven Gätjen

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Zerissene Umarmungen – Steven Gätjen trifft Penélope Cruz

Mittwoch, August 12th, 2009

Moinsen meine lieben Filmfreunde,

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heute schreibe ich ein bisschen wie ein verliebter Teenager über ein Ereignis dem ich persönlich beiwohnen durfte.
Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Nena war meine erste große Starliebe, dann kam lange nichts. Bei den ersten Oscars die ich vom roten Teppich aus moderieren durfte, verfiel ich dann einer knackigen Angelina Jolie und jetzt seit ein paar Jahren schlägt mein Herz schneller, wenn ich Penelope Cruz auf der großen Leinwand sehe.
Was für eine Frau, ich glaube das es kaum jemanden gibt, der mir widersprechen wird, wenn ich sage: eine absolute Granate. Das schlimme bei solchen Liebeleien ist, das man ja nicht weiß, wie die Person wirklich ist. Geht Penelope nach den Dreharbeiten oder Interviews nach Hause, nimmt die Perücke ab, schraubt an ihrem Holzbein, nimmt das Glasauge und die Zähne raus und quält Kinder und Tiere.
Keiner weiß es, aber die Möglichkeit ein bisschen mehr über diese Dame herauszufinden bot sich mir vergangene Woche bei der Premiere ihres neuen Films „Zerrissene Umarmungen“.
Natürlich von Pedro Almodovar, der mittlerweile vierte Film, den die beiden zusammen gemacht haben (nach „Volver“, „All about my mother“, „Live Flesh“).
In Berlin stand alles Kopf, Fragen über Fragen: Ist sie schwanger von Javier Bardem? Hat sie einen neuen Lover? Was für Wasser trinkt sie? Ist sie wirklich eine Spanierin oder eine Amazone von einem fremden Planeten?
Einige davon wollte ich auf den Grund gehen (sollte sie wirklich von einem anderen Planeten sein, dann bringt mich schnell dorthin, aber das ist eine andere Geschichte).
Der Moment kam an dem ich sie kurz vor der Pressekonferenz treffen sollte. Im edlen Hotel de Rome warteten ein spanischer Dolmetscher, eine Dame vom Filmverleih und ich auf Peneolpe. Erst schlenderten Pedro und sein Bruder Agustin an uns vorbei, in sportlichen Klamotten und extrem entspannt. Dann ging kurz die Tür von Penelopes Hotelzimmer auf, ein Fön und ein bisschen Gekicher waren zu hören und dann nach 5 weiteren Minuten erschien sie.
Und das ist jetzt kein Witz, auf der Leinwand sieht sie toll aus, aber in echt, noch viel, viel toller. Aber von Feuer keine Spur, sehr zurückhaltend und schüchtern sagte sie „Hallo“ und wir plauderten kurz über den Ablauf der bevorstehenden Frage und Antwort Runde.
Ob sie schwanger war oder nicht, habe ich in diesem ganzen Trubel vergessen, auch wenn viele Zeitungen ein Indiz darin sahen, das der Reißverschluss ihrer Hose nicht ganz zu war.
Vielleicht hat sie auch nur gut gegessen und wenn sie schwanger ist, wunderbar. Das freut doch alle.
In der Pressekonferenz beantwortete sie bereitwillig alle Fragen zum Film und ihrer Zusammenarbeit mit Pedro. Am Abend fand dann die große Premiere in der Kulturbrauerei statt. Unglaublich wie viele Stars und Sternchen sich angekündigt hatten und wie viele Fans am roten Teppich ausharrten. Kurz vor knapp erschienen dann die 3 spanischen Gäste unter dem Jubelgeschrei der Zaungäste.
Hinter der Bühne gab es ein erneutes Zusammentreffen und eine kurze Besprechung über den Bühnenablauf. Pedro war bestens aufgelegt und sagte zu mir: „Sag mal bist Du eigentlich nervös?“ Darüber hatte ich mir vor lauter Aufregung gar keine Gedanken gemacht und dann ging es los. Hundert mal hatte ich den Namen des gesandten der spanischen Botschaft, der unter den Gästen war, und meine Moderation wiederholt. Aber plötzlich war nichts mehr da. Ein kurzer Blick in Penelopes Rehaugen und neben dem Blackout kamen noch Schweißausbrüche dazu. Dann der Schritt ins Kino, kurz zusammenreißen und ab dafür. Hat dann doch alles geklappt, aber für kurze Zeit war ich wirklich ganz weit weg.
Ein toller tag und eine wirklich tolle Begegnung.
Bei all dem Teenie-Gesappel habe ich völlig vergessen etwas zum Film zu sagen. „Zerrissene Umarmungen“ ist nicht der beste Almodovar, streckenweise wirklich großartig, besonders wenn er seine Liebe zum Film zum Ausdruck bringt, aber manchmal auch unglaublich langatmig und langweilig. Penelope wird meiner Ansicht nach immer besser, besonders nach ihrem Oscargewinn für „Vicky Christian Barcelona“.

Bis zum nächsten mal,
Euer Steven Gätjen

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Steven Gätjen trifft Brad Pitt und Quentin Tarantino

Donnerstag, August 6th, 2009

Moinsen meine liebe Filmfans,

heute möchte ich gerne meine paar Zeilen einem Film widmen, auf den viele Fans schon seit Monaten schmachtend warten: „Inglourious Basterds“.

Mittlerweile schon in fast jedem anderen Land wurde eine Premiere organisiert, aber keine war so groß und so gigantisch wie in Berlin im Berlinale Palast in der vergangenen Woche. Nicht nur, weil die Babelsberg Filmstudios in Berlin Potsdam Dreh und Angelpunkt der Produktion gewesen sind, sondern weil jeder deutsche Schauspieler und sogar Brad Pitt anwesend waren. Kommen wir gleich zum Superstar und Berlinliebhaber, weil er in der deutschen Hauptstadt viele Freunde hat.

Als Leuitenant Aldo Rayne ist es seine Aufgabe mit seinem kleinen Trupp möglichst viele Nazis zu erschlagen. Für den Vater von 6 Kindern stand es völlig außer Frage, ob er jetzt in einem Tarantino Film mitmachen würde oder nicht. Er sagt sofort zu. Zu privaten Themen hielt er sich aber ansonsten in unserem Interview sehr zurück. Und ich muss ganz ehrlich sagen, das stört mich nicht, ich spreche gerne über den Film über die Rolle über das ganze drum herum, aber ob er jetzt noch ein Kind adoptiert oder wie es in der Beziehung zwischen Angelina und ihm aussieht, interessiert mich wirklich nur ganz oberflächlich. Trotzdem mussten solche Fragen gestellt werden, denn Pro7 wollte das Interview nicht nur bei taff, sondern auch bei „red“ einsetzen und da ist so etwas gefragt. Anyway, Brad Pitt ist jemand der sich sehr gut Personen merken kann, ich hatte den Vorteil ihn in diesem Jahr schon zweimal interviewen zu dürfen, einmal zu Benjamin Button und beim zweiten mal auf dem roten Teppich der Oscars. Dennoch ist er jemand der es natürlich immer wieder versucht, wie ein kleines Kind, den Gegenüber zu foppen. Diesmal sprach er von der Tatsache, das er die Rolle nur bekommen hätte, weil er sich vor Quentin vornüberbeugen musste, er sei eine so genannte „Directors whore“. Darüber freut er sich dann wie ein kleines Schnitzel und man selbst weiß nicht wie man darauf jetzt reagieren sollte. Lange Rede kurzer Sinn, er ist ein wirklich „Klasse-Typ“ mit einer ordentlichen Portion Humor und viel Spaß bei der Arbeit.

Übrigens alle weiblichen Anwesenden haben während des 10 Minuten interviews keinen Mucks von sich gegeben, die waren wie hypnotisiert.

Der eigentliche Star bei „Inglourious Basterds“ an dem Tarantino übrigens knapp 10 Jahre geschrieben hat ist Christoph Waltz. Seine Kunst hat nicht nur die Goldene Palme verdient, sondern auch einen Oscar und da bin ich mal gespannt, ob sich die Academy dazu hinreißen lässt. Als Interviewpartner ist er ein hartes Stück Arbeit, aber auch eine tolle Herausforderung. Er seziert jede Frage und stellt anschließend die Frage an sich selbst in Frage. Das führt dazu das man häufig den Faden verliert, aber auch die eigene Fragetechnik hinterfragt. Ich hoffe ich habe Euch jetzt nicht verloren.

Je länger ich über den Film nachdenke, desto begeisterter bin ich. Tarantino hat wirklich wieder all seine Filmleidenschaft und sein Talent in ein Füllhorn gegossen und obwohl er hin und her gerissen war, zwischen einer mehrteiligen Fernsehserie und einer Trilogie, hat er es doch geschafft einen Film auf die Leinwand zu bannen, der den Kinozuschauer mitreißt. Alleine der Anfang, also das erste Kapitel, ist schon unglaublich. Ursprünglich 40 Minuten lang wurde es auf 20 Minuten gekürzt. Christoph Waltz steigert sich immer mehr und mehr, und wird immer perfider, gemeiner und rücksichtloser. Ich kann „Inglourious Basterds“ nur empfehlen. Übrigens sorgte Tarantino auch am Set für allerlei schöne zwischen Anekdoten. Nach jeder 100ten Filmrolle gab es für das ganze Team Tequilla, egal ob morgens, mittags oder abends. Er zeigte einmal wöchentlich, am Donnerstag, aus seiner Privatsammlung einen Film auf einem alten Kinoprojektor und hielt eine 10-minütige Laudatio, warum und wieso er diesen Film ausgewählt hatte. Alle Schauspieler bei diesem Projekt sagten, das sie noch nie jemanden kennen gelernt haben, der über ein solches Filmwissen verfügt. Für Daniel Brühl wurde das fast zum Verhängnis. Er wollte unbedingt bei diesem Filmprojekt mitmachen und am Abend vor dem Casting wollte er Tarantino beeindrucken und mit ihm ein bisschen über das Filmgenre parlieren. Nach spätestens 3 Minuten war Tarantino in seiner eigenen Welt und die Möglichkeit für Daniel ihn zu beeindrucken futsch. Zu Recht hat er aber dennoch in dem Film mitgespielt. Und zu Recht hat Tarantino jetzt auch eine eigene Straße in den Babelsberg Studios, sie ist direkt an der Ecke von der Georg Wilhelm Pabst Strasse, seinem filmerischen Idol.

Bis nächste Woche

Euer Steven Gätjen

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